Sonntag, 06. September 2015 20:19

Wir-Gefühl wurde in Wolfsburg gestärkt

geschrieben von  Uwe Veltrup

                      Deutscher Kegler- und Bowlingbund e.V.

„Während in Peking die Zehnkämpfer im Rahmen der Leichtathletik-Weltmeisterschaften um Gold, Silber und Bronze rennen, werfen und springen, gibt es auf den Kegel- und Bowlingbahnen in Wolfsburg einen weiteren bedeutenden Wettbewerb, bei dem es auf Vielseitigkeit ankommt..." Mit einem Augenzwinkern eröffnete Uwe Veltrup in seiner Funktion als Moderator am letzten August-Wochenende das dritte Vier-Bahnen-Turnier des Deutschen Kegler- und Bowlingbundes (DKB), bei dem sich leistungsstarke Sportler und Sportlerinnen der vier Disziplinverbände des DKB in freundschaftlicher Atmosphäre messen.

Bei der Begrüssung vor dem gemeinsamen Abendessen am Freitag brachte DKB-Präsident Dieter Prenzel das Primärziel des Vier-Bahnen-Turniers auf den Punkt: „Wir spielen im DKB auf vier verschiedenen Bahnen, wir haben vier Disziplinverbände mit vier Nationalteams, aber wir sind ein Dachverband mit gemeinsamen Zielen. Auch, wenn es beim Vier-Bahnen-Turnier um den Disziplinverband mit den vielseitigsten Spielerinnen und Spielern, wenn es auch um Punkte und Platzierungen geht: Noch wichtiger ist uns im DKB-Präsidium, dass sich die Sportlerinnen und Sportler über die Grenzen des eigenen Disziplinverbandes kennen und schätzen lernen."
Vor diesem Hintergrund wurden – nachdem DKB-Marketingreferent Uwe Veltrup die vier Teams mit jeweils vier Spielerinnen und vier Spielern vorgestellt hatte – jeweils vier weibliche und männliche „interdisziplinäre" Teams ausgelost.
Was sich so wissenschaftlich liest, ist schnell erklärt: Jeweils eine Frau aus jedem der vier disziplinspezifischen Teams wurde in ein gemischtes Team gelost. Bei den Männern wurde das ebenso gemacht. Mit dieser zusätzlichen interdisziplinären Wertung wurde nicht nur der Know how-Transfer forciert, weil sich die Teammitglieder gegenseitig Tipps gaben, mit welcher Technik auf welcher Bahn zu spielen ist, sondern eben auch das Miteinander, das Wir-Gefühl gefördert.

Know how-Transfer innerhalb der interdisziplinären Teams

Wie wichtig die Tipps von den jeweiligen Bahnart-Experten sind, zeigte sich bereits beim offiziellen Training am Samstag auf den Bohle-, Classic- und Schere-Kegelbahnen. „Die Kugelgeschwindigkeit ist noch zu hoch", hieß es etwa auf den Bohle-Kegelbahnen. Hinter den Classic-Kegelbahnen wurde erläutert, wie die Ausgangsstellung zu verändern ist, wenn einzelne Kegel oder Bilder abgeräumt werden müssen. Und auf Schere-Kegelbahnen entdeckten die Bowlingspieler beim Spiel auf die beiden Eckkegel Parallelen zwischen dem klassischen Hakenwurf beziehungsweise der Backhand-Technik.
Nach dem ersten Wettkampftag auf den Kegelbahnen in Wolfsburg-Reislingen wurde beim gemeinsamen Abendessen – die „Sitzordnung" brachte wieder die Mitglieder der interdisziplinären Teams zusammen – rückblickend über die Besonderheiten der drei Kegelbahnarten und die erforderliche Technik diskutiert. An fast allen Tischen wurden im Laufe des Abends bereits die Herausforderungen des nächsten Tages auf den Bowlingbahnen thematisiert. „Was haben Ölbilder mit Bowlingbahnen zu tun? Und welcher Bowlingspieler hat mit seinen Ölbildern in welcher Galerie die höchsten Preise erzielt?" Die Kegelsportlerinnen und Kegelsportler, die allenfalls den Geruch nach frisch gewachsten und gebohnerten Kegelbahnen kennen, nahmen den Exkurs in Sachen Bowlingbahnpflege mit Humor. Sie staunten auch nicht schlecht, als sie erfuhren, wie viele Bowlingbälle zum Equipment eines sportlich ambitionierten Bowlers zählen.

Sportliche Höhepunkte auf den einzelnen Bahnarten

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten die Tipps der jeweiligen Spezialisten auf den für sie ungewohnten Bahnarten gut umsetzen. Gleichwohl waren auf den unterschiedlichen Bahnen die jeweiligen Experten unter dem Strich im Vorteil. Und die Bowlingspieler hatten den Nachteil, dass sie gleich auf drei Bahnarten ihren vom Bowling gewohnten Bewegungsablauf umstellen sollten.
Dafür klappte es auf den Bowlingbahnen am Sonntag wieder – trotz muskulärer Beschwerden nach 180 Würfen am Vortag – umso besser. Vor allem bei Marc Jonasdofsky lief es ziemlich rund. Er war lange auf 300er-Kurs. Für seine beeindruckende Strike-Serie und 279 Pins erhielt er von allen Bowling- und Kegelsportfans verdienten Szenenapplaus.
Sehr stark auch die 226 von Tina Kirsch im Frauen-Team der DBU. 212 Pins wurden für Bianca Zimmermann (DKBC) angezeigt und Christian Spyra (200) hatte auch die zwei vorne stehen. Bei 60 Würfen – jeweils 30 in die Vollen und im Spielmodus Abräumen – erzielten Manuel Weiß (336) und Timo Hehl (342) herausragende Ergebnisse. Bereits auf dem dritten Platz André Franke (DBKV) mit 319 Kegeln. Eine Bohle- Kegelsportlerin war auf den Classic- Kegelbahnen genau so stark wie die besten Classic-Expertin: Claudia Lippka warf ebenso 288 Kegel um wie Bianca Zimmermann.
30 Würfe in die Vollen und 30 Würfe Abräumen – allerdings mit Kranzwertung – waren die Vorgabe auf Schere-Kegelbahnen: André Franke, der die Schere-Bahnen von den Dreibahnen-Meisterschaften besser kannte, als die Schere-Kegelsportler, nutzte diesen Vorteil und war mit 401 Kegeln bester Spieler vor seinem Teamgefährten Christian Spyra (387) und dem besten im eigentlichen Expertenteam des DSKB, Alexander Mirus (379).
Besser als ihre männlichen Teamgefährten vom DSKB war Conni Gebauer: Mit 389 Kegeln ließ sie auf Schere-Kegelbahnen die beste Nicht-DSKB-Spielerin Claudia Lippka 379 knapp hinter sich.
Nur „in die Vollen" geht und ging es bekanntlich auf Bohle-Kegelbahnen. Christian Spyra (489) unterstrich seinen Expertenstatus mit neun über Schnitt acht. Alexander Mirus (478) und Marcel Schneimann (476) unterstrichen mit ebenfalls Top-Leistungen ihr Ball- oder besser Kegelkugelgefühl. Auch Manuel Weiß (462) als Classic-Spieler und Bowler Eike Kabowski (460) hatten sich auf ungewohntem Terrain schnell um- und eingestellt.
Das galt auch für Julia Weiser (476), die sonst in der Schere-Kegelsport-Bundesliga auf Kegel zielt. Mit 479 war nur eine seit Jahren erfolgreiche Fachfrau für Bohle-Kegelsport erfolgreicher. Claudia Lippka (479) legte noch drei Kegel mehr um.

Disziplinspezifische Wertung

Turnier- und Prestigewinn für den DBKV: Wie beim ersten Vier-Bahnen-Turnier 2012 siegten die Bohle-Experten auch in diesem Jahr. DBKV-Sportdirektor Udo Sandow hatte sowohl für das Frauen- als auch für das Männer-Team die beiden jeweils besten Spieler(innen) der Junior(inn)en- sowie Damen- und Herren-Klasse der diesjährigen Deutschen Dreibahnen- Meisterschaften nominiert. Der DBKV wurde somit seiner Favoritenstellung gerecht.
Der DSKB, Sieger von 2013, erreichte den zweiten Platz. Bronze ging an den DKBC. Trotz eines 20%-Bonus auf den Kegelbahnen waren die Bowlingsportlerinnen und –sportler in der Gesamtwertung chancenlos.

Interdisziplinäre Wertung

Der oben angesprochene Know how-Transfer klappte offensichtlich zwischen Claudia Lippka (DBKV), Tina Kirsch (DBU), Bianca Zimmermann (DKBC) und Luisa Wagner (DSKB) am besten. Mit 184 Einzelwertungspunkten deklassierten sie die drei übrigen Teams.
Unmittelbar nach der Auslosung wurden Christian Spyra (DBKV), Eike Kabowski (DBU), der an allen bisherigen Dreibahnen-Turnieren teilnahm, Matthias Dirnberger (DKBC) und Alexander Mirus – ebenfalls ein Kegelsportler mit Dreibahnen-Erfahrung – favorisiert. 164 Einzelwertungspunkte wurden letztendlich auf dem Spielbericht notiert, die deutlich für den Platz auf der obersten Etage des Siegertreppchens reichten.

Einzelwertung

Beste auf „ihren" Bohle-Kegelbahnen, aber auch auf Classic-Kegelbahnen, Drittbeste auf Schere- und Viertbeste auf Bowlingbahnen: Claudia Lippka (59 Einzelwertungspunkte) hatte auf allen Bahnen den Dreh raus und gewann in überlegener Manier die Einzelwertung bei den Frauen. Auf Platz zwei zeigte die Bowlingsportlerin Tina Kirsch (47) nicht nur als Beste im Bowlingcenter Strike im Wolfsburger Allerpark eine ganz starke Leistung. Die Kaiserslauternerin profitierte von einer gemeinsamen Trainingseinheit mit der Classic-Spielerin Alena Bimber aus Pirmasens und deren Kegelsport-Trainer. Schere-Kegelsportlerin Julia Weiser (45) schwächelte lediglich trotz intensiver Vorbereitung auf den Bowlingbahnen, kegelte aber umso stärker auf den drei Kegelbahntypen. Bianca Zimmermann war auf den gewohnten Classic-Bahnen sehr gut, glänzte auch beim Bowlen, bot eine durchschnittliche Partie auf Schere-Bahnen und fand allerdings als Schwächste auf Bohle-Bahnen nie die Ideallinie.
Spannend bis zu den letzten Würfen des letzten Spiels war es in der Einzelwertung der Männer: Christian Spyra (51) als Sieger, André Franke (49) und Alexander Mirus (47) boten den Zuschauern einen grandiosen Dreikampf. Nach zwei Bohle-Kegelsportlern auf den ersten beiden Plätzen und einem „Scheristen" bei seinem Klasse-Debüt im Nationaltrikot auf Platz drei lag mit Tobias Kirchoff (44) auf Platz vier ein weiterer Bohle-Kegelsportler mit aktuellen Erfolgen im Dreibahnen-Wettbewerb vorne. Manuel Weiß (38) war als Bester im DKBC-Team mit Platz 5 sehr zufrieden. Und Marc Jonasdofsky (34) erzielte nicht nur viele Strikes, sondern traf auch vor allem auf Classic-Kegelbahnen viele Kegel.

Siegerehrung

Nachdem beim abschließenden Bowling der letzte Bowlingball das Pindeck erreichte, meinte Uwe Veltrup, der auch die Siegerehrung moderierte, dass der DKB seine Ziele beim diesjährigen Vier-Bahnen-Turnier erreichte: „Erstklassige Bowling- und Kegelsportler(innen) aller vier Disziplinen haben erstklassige Kontakte geknüpft und gepflegt. Telefon-Nummern und eMail-Adressen wurden ausgetauscht, Verbindungen in den Sozialen Netzwerken wurden gleich mit den Smartphones vor Ort realisiert, um auch künftig Ergebnisse und Erlebnisse – auf und neben den Bahnen – austauschen zu können."
DKB-Präsident Dieter Prenzel übergab mit seinem Vize-Präsidenten Uwe Oldenburg – assistiert von DKB-Sportdirektorin Simone Eggebrecht die Preise an die Siegerinnen und Sieger in den einzelnen Disziplinen.
Bereits vor dem abschließenden, gemeinsamen Mittagessen signalisierte der für die Finanzen zuständige DKB-Vizepräsident Ernst Lange, dass das Geld für das Vier-Bahnen-Turnier, für die Stärkung des Wir-Gefühls im DKB mit seinen vier Disziplinverbänden gut angelegt sei: „Ich bin jedenfalls dafür, auch 2017 ein solches Turnier zu planen und durchzuführen."
Der verdiente Schlussapplaus galt der Sportlichen Leitung dieses Turniers. Jutta Büchling und Michael Teschner waren an den beiden Tagen in Wolfsburg in Kooperation mit den jeweiligen Delegationsleitungen für einen reibungslosen Ablauf verantwortlich. Simone Eggebrecht wurde für die Organisation des wahrlich „schönen Wochenendes" in Wolfsburg gelobt und ein großes DANKE – insbesondere von den Bowlingspieler(inne)n... – ging an Luisa Wagner, die den kurzfristig verhinderten Physiotherapeuten Marcel Hacker vor und nach ihren Einsätzen für das DSKB-Team vertrat.

Video und weitere Infos auf den DKB-Internetseiten

„Kegeln und Bowling sind umwerfende Familiensportarten" – das ist die Botschaft eines Videofilms, den DKB-Medienreferent Rolf Großkopf am Rande des Vier-Bahnen-Turniers 2015 gedreht hat. DKB-Marketingmann Uwe Veltrup interviewte mit Alexander Mirus, Melina Zimmermann, Ellrik Freienberg und Lea Degenhardt vier Teilnehmer(innen) des Vier-Bahnen-Turniers, die von Familienmitgliedern für den Kegel- beziehungsweise Bowlingsport begeistert wurden.
Den Film finden Bowling- und Kegelsportfans ebenso auf der DKB-Internetstartseite unter www.kegelnundbowling.de wie die detaillierte Ergebnisübersicht und Fotos vom Vier-Bahnen-Turnier.

Team Schere: 4-Bahnen Turnier 2015 in Wolfsburg