Sonntag, 23. September 2012 20:03

DKB Vier-Bahnen Turnier

geschrieben von  Uwe Veltrup

                      Deutscher Kegler- und Bowlingbund e.V.

 

„Das Vier-Bahnen-Turnier hat sicher nicht den Stellenwert einer Deutschen Meisterschaft oder gar einer Weltmeisterschaft. Wir haben das Treffen der Bowling-, Bohle-, Classic- und Schere-Nationalteams organisiert, damit sich die Nationalspielerinnen und -spieler aller vier Disziplinen unter dem Dach des DKB kennen lernen und sich selbst ein Bild über die technischen Anforderungen auf den jeweils anderen Bahnarten machen können.“ Kurz nachdem DKB-Präsident Dieter Prenzel in seiner Begrüßungsrede noch einmal die Idee des Vier-Bahnen-Turniers skizzierte, zeigte sich, dass – unabhängig von der sportlichen Bedeutung – alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen gesunden Ehrgeiz entwickelten.

Favoritensieg auf Bowlingbahnen

So ging es zunächst auf den Bowlingbahnen im Wolfsburger Allerpark um die Plätze zwei bis vier, da allen klar war, dass das Team der Deutschen Bowling Union (DBU) auf „ihren“ Bahnen kaum zu schlagen sei. Vor allem die Bowling-Cracks Eike Kabowski (449), Uwe Blank (429) und Bianca Pöppler (400) demonstrierten in den jeweils zwei Spielen ihr Können. Aber auch Maike Bock (349) vom Deutschen Schere-Keglerbund (DSKB), Vanessa Welker (347) und Marko Mergenthaler (341) vom Deutschen Keglerbund Classic (DKBC) sowie Claudia Lippka (335) vom Deutschen Bohle Kegler Verband (DBKV) hatten relativ schnell „den Bogen raus“.

Training auf ungewohntem Terrain

DBU vor DKBC und den punktgleichen Favoritenteams für den Gesamtsieg DBKV und DSKB: Mit diesem Zwischenstand ging es am zweiten Tag auf die Schere- und Classic-Bahnen des Kegelcenters im Wolfsburger Stadtteil Reislingen. Nach dem knapp zweistündigen Training entschied die Wettkampfleitung, dass beim Kegeln der ursprünglich vorgesehene Gassenzwang auf Schere- und Bohlebahnen aufgehoben wurde, da viele Bowlingspieler und -spielerinnen auch die Kegelkugel mit Effét spielten und beim Spiel in die Vollen auf den Scherebahnen Rechtshänder Probleme hatten, die rechte Gasse zu treffen sowie Linkshänder entsprechend die linke. Dafür klappte es bei den Rechtshändern im Bowlingteam beim Kegeln auf die linken Eckkegel oft auf Anhieb, während der rechte Eckkegel kaum getroffen wurde.

Bohle-Nationalspieler André Franke besser als die Schere-Kegler

Bereits beim Einkegeln zeichnete sich ein Führungswechsel ab. Erst recht als Bohle-Nationalspieler André Franke bei 80 Würfen – jeweils 40 Würfe in die Vollen und 40 im Spielmodus „Abräumen mit Kranzwertung“ – 567 Kegel umwarf. Mit diesem Ergebnis wurde er auf Schere-Bahnen Bester und düpierte die gesamte Herren-Mannschaft des DSKB, die aber den Rückstand aufholte und das beste Mannschaftsergebnis auf Scherebahnen erzielte. DKBC und DBU landeten auf den Plätzen drei und vier. Exakt diese Reihenfolge wurde in der Tabelle der Frauen nach dem Durchgang auf Scherebahnen dokumentiert. Hier konnte nur Katharina Bremer (498) vom DBKV mit den Schere-Spezialistinnen mithalten.

DKBC-Herren müssen auf „ihren“ Classic-Bahnen zittern

„Heimsiege“ gab es auch auf den Classic-Bahnen, auf denen jeweils 40 Würfe in die Vollen und 40 Würfe Abräumen (ohne Kranzwertung) zu absolvieren waren: Die Frauen des DKBC gewannen ebenso wie die Classic-Männer. Allerdings war es bei den Männern lange spannend, da zum einen André Franke (394), aber auch Jens Kohlenberg (390) stark spielten, und zum anderen Marco Mergenthaler (354) sowie Daniel Schmid (343) deutlich schwächer waren als ihre Teamgefährten Lars Pansa (420) und Alexander Conrad (417). Letztendlich hatte das DKBC-Team 16 Kegel Vorsprung vor dem Quartett des DBKV. Eine gute Figur machte auch das DBU-Team auf den Asphalt-Bahnen, unterlag jedoch im Kampf um Platz drei der Mannschaft des DSKB.

Die Frauen des DSKB waren auf den Classic-Bahnen nur vier „Pinne“ schlechter als die DSKB-Männer. Vor allem bei Nicole Mehlhaf (375) lief es wie am Schnürchen. Die Lokalmatadorin wurde lediglich von Vanessa Welker (399) und Yvonne Lauer (383) übertroffen. Das sehr homogene DBKV-Team (331/333/334 und 335) ließ zwar die vier Frauen der DBU hinter sich, hatte aber keine Chance auf Platz zwei in der Teilwertung auf Classic-Bahnen.

Schere-Kegler Marcel Corzilius klar die Nummer 1

Vor dem Finale auf Bohle-Bahnen am Sonntag prognostizierten die Experten eine denkbar knappe Entscheidung: Wenn die Bohle-Keglerinnen und -Kegler jeweils auf Platz eins landeten und die Teams des DSKB, DKBC und der DBU auf den Plätzen zwei, drei und vier, wären die drei Kegelsport-Nationalteams allesamt punktgleich, dann müssten die Einzelwertungspunkte entscheiden. Und genau so kam es: Da die Classic-Spezialisten bei den Einzelwertungspunkten jedoch im Verlauf des Wettkampfs immer mehr zurück fiel, kam es vor allem auf die Platzierungen der Bohle- und Schere-Kegler(innen) an. Marcel Corzilius, der lediglich einmal im Jahr bei den Deutschen Dreibahnen-Meisterschaften auf Bohle-Kegelbahnen „in die Vollen“ geht, war gleich zu Beginn hellwach. Nach den ersten zehn Würfen zeigte das Zählwerk 85 an, „im zweiten Kasten“ gar unglaubliche 89. Da musste sogar Bohle-Mann André Franke, der am Vortag auf Schere-Bahnen noch vorne lag, staunen. Nach 80 Würfen brachte Marcel Corzilius mit 658 Kegeln, was einem Durchschnitt von 8,23 entspricht, sein DSKB-Team in Führung. Seine Mannschaftskollegen konnten dieses Niveau allerdings nicht annähernd erreichen während die Vier vom DBKV sehr ausgeglichen (630 bis 635) kegelten. Lautstark wurden die DKBC-Männer angefeuert. Sie kamen insgesamt auf einen Schnitt von 6,8 und waren mit ihrem Debüt auf Bohle-Bahnen ebenso zufrieden wie das DBU-Quartett.

Classic-Keglerin Sarah Dressler entscheidet bei ihrem Debüt auf Bohle-Bahnen den Zweikampf zwischen DBKV und DSKB

Nun war klar, dass die vier DSKB-Frauen in der vierten Disziplin auf Bohle-Bahnen auf Platz zwei landen mussten. Und: Vorausgesetzt die vier Bohle-Keglerinnen machten die vier ersten Einzelplatzierungen unter sich aus, hätten danach alle vier Schere-Keglerinnen „einlaufen“ müssen. Alles lief zunächst planmäßig bis Classic-Keglerin Sarah Dressler, die in Sachsen-Anhalt wohnt und beim Vier-Bahnen-Turnier in Wolfsburg erstmals eine Bohle-Kegelbahn gesehen hat, zur Hochform auflief und in ihren 80 Würfen 597 erzielte. Mit diesem Ergebnis ließ sie sowohl Katja Ricken (592) als auch Maike Bock (594) vom DSKB hinter sich.

Somit entschied in der Schlussphase eine Classic-Spielerin das Duell zwischen DBKV (326 Einzelwertungspunkte) und DSKB (325). Die DKBC-Delegation freute sich über gute Leistungen und einen dritten Platz, die Spielerinnen und Spieler der DBU freuten sich auf eine heiße Dusche und eine Massage, da vor allem die Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur nach 240 Würfen mit der Kegelkugel an zwei Tagen „brannte“. „Beim Kegeln ist eben ein ganz anderer Bewegungsablauf gefragt als beim Bowling. Das Abstoppen beim Abwurf statt des Gleitens war und ist sehr ungewohnt“, brachte Bowling-Nationalspielerin Birgit Pöppler die Unterschiede auf den Punkt.

Ziel des Vier-Bahnen-Turniers wurde erreicht

So spannend das Vier-Bahnen-Turnier auf den Bahnen war, so interessant war es für alle Beteiligten vor allem neben den Bahnen: „Wie bereitet Ihr Euch auf Länderspiele vor?“ – „Wie viele Mannschaften spielen bei Euch in der Bundesliga?“ – „Wie Mit welchem Wertungssystem ermittelt Ihr den Deutschen Meister?“ – „Wie viele Nationen sind bei Euren Weltmeisterschaften vertreten?“. Diese und viele weitere Fragen wurden während des Vier-Bahnen-Turniers und beim Bankett gestellt und beantwortet.

„Sicher gibt es viele Unterschiede zwischen den vier Disziplinen“, meinte DKB-Präsident Dieter Prenzel nach der Siegerehrung. Aber eins haben wir gemeinsam: „Wir alle haben uns für umwerfende Sportarten entschieden, wir alle im DKB hatten und haben bei internationalen Wettbewerben Erfolg. Für uns alle sind sportliche Werte wie Fairness, Teamgeist und Leistungsbereitschaft wichtig. Und vor allem macht es uns allen Spaß, wenn wir miteinander an sportlichen Wettbewerben wie diesem Vier-Bahnen-Turnier teilnehmen.“

Nicht nur für Dieter Prenzel war das Vier-Bahnen-Turnier – von der perfekten sportlichen Leitung durch Klaus Panthel und Jutta Büchling über die freundschaftliche Atmosphäre bis zum aktuellen Ergebnisdienst im Internet durch Rolf Großkopf eine runde Sache.

DSKB Mannschaft des DKB 4-Bahnen Turniers