Mittwoch, 14. Juli 2010 22:00

U18/U23 Weltmeisterschaften in Campo Bom (BRA)

geschrieben von  Mike Killadt

Die letzten Medaillen sind vergeben. In den Finals wurde eine weitere Bronzemedaille erkegelt und zwei vierte Plätze. Jetzt geht es in den (wohlverdienten) Urlaub nach Rio de Janeiro.

Um 22:05 Uhr soll die Maschine in Richtung Sao Paulo abheben und dort um 5:10 Uhr Ortszeit landen nach einem knapp dreistündigen Zwischenstop geht es dann nach Porto Alegre weiter. Die Ankunft ist für 9:40 Uhr geplant. Dort erwartet uns der Transfer zum Hotel.
Porto Alegre und Rio hinken unsere Zeit fünf Stunden hinterher. Wenn die Wettkämpfe um 10:00 Uhr in Campo Bom beginnen, haben wir in Europa bereits 15:00 Uhr.

Wenn alles wie erhofft funktioniert sollen in den nächsten Tagen an dieser Stelle aktuelle Informationen rund um die Jugend Weltmeisterschaften zu lesen sein. Wir werden uns schnellstmöglich wieder melden.

Anreise und erster Tag (15.07.2010)

Am 14.07. ging die Reise los. Mit 53 Personen flogen wir nach Brasilien 24 Sportlerinnen und Sportler, der Rest waren Funktionäre und Fans.
Nach dreimaligem Wechsel unseres Abflugschalters standen wir in der Boardingzone. Unsere Gruppe wurde um die Luxemburgische Delegation erweitert, die sich entschieden hatte ebenfalls von Frankfurt zu fliegen.

Ein heftiges Unwetter, ca. eine Stunde vor dem Start, ließ dem ein oder anderen Reisenden die Gesichtsfarbe (leicht) entweichen. Nach 30 Minuten war alles wieder ruhig. Keine Blitze, kein Regen und kein Sturm. Auf in die Maschine. Über einen Bustransfer, der uns sehr wahrscheinlich wieder zurück zum ursprünglichem Gate brachte, durften wir die Maschine über das Rollfeld betreten.Unsere Brasilien-Shirts haben uns die Sitzplatzsuche erheblich erleichtert. Was nicht passte, wurde passend gemacht! Und niemand traute sich den gelb-orangenen Haufen wieder zu trennen, auch wenn die Sitzplätze eigentlich für ein paar ältere Holländerinnen reserviert waren. So, alles pünktlich. Kann losgehen. Leider saßen wir dann noch eine gute Stunde in der Maschine und nichts passierte. Die nächste halbe Stunde ließ man uns eine nette Sightseeing-Tour in einer Boeing 777 über den Frankfurter Flughafen angedeihen. Auch nicht schlecht. Leider ging das alles von unseren 2:30 Stunden ab, die wir für Sao Paulo eingeplant hatten.
Prompt brach dort die erste Hektik aus. Ein bisschen Zeit hatten wir während des Flugs aufholen können. 1,5 Stunden für Aussteigen, Koffer holen (365 Passagiere wollten versorgt werden), Visumsbeantragung (ca. 400 Passagiere, da zeitgleich die Lufthansa-Maschine gelandet ist), eine nette Zollkontrolle und dann wieder Koffer einchecken und zum Abflug hetzen. Nee, ging nicht in dieser Zeit. Beim besten Willen nicht. Zum Glück sind Brasilianer, eben Brasilianer und keine Deutschen. Es wurden für uns extra drei Abfertigungsschalter geöffnet. Zwei zusätzliche Röntgenstationen in Betrieb genommen und jegliche Bänder, die auch nur im Entferntesten an eine Absperrung erinnern könnten, entfernt. Nach einer Stunde und vierzig Minuten saßen alle im Flieger nach Porto Alegre.
Hier wurden wir mit einem 48-Personen Bus abgeholt. Moment. 48 Personen-Bus?!? Wir waren 53 Personen und jeder hatte zwei Koffer mit zusätzlichem Handgepäck dabei. Herrliches Brasilien. Nebendran stand noch ein zweiter Bus. Fünf Minuten später übernahm er zumindest das restliche Gepäck. Die 5 „Zusatzpassagiere“ wurden in Bus eins dazwischen gequetscht.

Was schon sehr früh auffiel, war die Bekleidung der Brasilianer. Mützen, Daunenjacken und Handschuhe. Bei ca. 15 Grad! Unsere kurzärmligen T-Shirts waren hier nicht nur farblich ein Hingucker.
Nach eine kurzem Zwischenstopp im Hotel und Bezug der Zimmer ging es auf die Kegelbahnen zum Mittagessen. Außerdem wurden die mitgebrachten Kegel und Kugeln ihren Bestimmungen übergeben. Die Gastgeber organisierten gleich den Austausch aller Kegel und abends konnten beim ersten Probetraining die brasilianische Nationalmannschaft das neue Material testen.
Was sofort auffiel. Es ist richtig kalt auf den Kegelbahnen (kälter als draußen). Es gibt keine Pudelrinnen. Es bleiben Hinterhölzer stehen. Die Lauffläche der Bahn ist in den kompletten Anlauf gezogen. Man setzt also nicht auf Linoleum, sondern auf Holz auf. Entsprechend hüpfen die Kugeln. Bis hin zum Einschlag auf halber Kegelhöhe! Aber die Kegel fallen. Manchmal links auf links, aber sie fallen.
Ein kleiner Geldtausch wurde ebenfalls noch organisiert. Zur Freude einiger Damen, die ohne zu zögern eine kleine Shoppingtour starteten. Das fehlende Gewicht von Kugeln und kegeln muss ja schließlich sinnvoll aufgefüllt werden...
Gegen 18:00 Uhr ging es wieder zurück ins Hotel. Die Klimaanlage lief auf vollen Touren. Draussen war es definitiv wärmer als drinnen auf dem Zimmer. Die letzte Amtshandlung des Tages war das Kappen des Stromkabels und eine heiße Dusche.
 Müde aber ziemlich gespannt freuen wir uns auf die nächsten Tage.

 

2. Tag (16.07.2010)

 

Die Nacht war frostig. In unserem Hotel existieren keine Heizungen im eigentlichen Sinn. Und die Klimaanlagen haben die Zimmer alles andere als geheizt. Die heisse Dusche am Morgen war hoch willkommen.
Beim Frühstückstisch wurden wir erleuchtet. Die Klimageräte können auch heizen! Man muss nur den großen Schalter in der Mitte über dem Bett betätigen, den linken Drehknopf an der Klimaanlage ganz nach rechts drehen und den rechten Knopf ganz nach links drehen. Ah ja, ganz einfach. Die nächste Nacht wird somit von den Temperaturen hoffentlich alle brasilianisch Klischees erfüllen.

Um 10:00 Uhr ging es zum ersten offiziellen Training. In Estancia Velha standen die Bahnen des Weltcups 2008 zur Verfügung. Hier konnten sich die Spielerinnen und Spieler zum ersten Mal mit dem ungewohnt Aufsatz und den unerwartete Temperaturen vertraut machen. Wie auf den Bahnen in Campo Bom ging die Lauffläche der Bahn durch den gesamten Anlauf und ersetzte das Linoleum. Alle taten sich schwer. Vor allem die hüpfenden Kugel erforderten ungewohntes Fingerspitzengefühl. Fingerspitzengefühl war das Stichwort für Jasmine Nöh. Etwas zu viel Gefühl wird sie die nächsten Tage in ihre Fingerspitze haben. Um das Hüpfen der Kugel zu vermeiden, ging sie etwas tiefer runter und ließ einen Teil ihres Fingernagels im brasilianischen Hartholz stecken. Schere raus, Pflaster drauf und weiter. Tobias Stolzke war weniger in Geberlaune, sondern nahm ein Andenken mit. Ein Tropenholzsplitter von Bahn vier zierte seinen Mittelfinger. Schlimmer erwischte es Melanie Zimmer. Umgeknickt kurz vor Ende ihres Trainingsdurchgangs war bis heute Abend nicht abzusehen, wie schwer sich die Verletzung entwickeln sollte. Ein dicker Eisbeutel und eine Menge Tape zierten ihren Knöcheln. Das offizielle Training morgen wird hoffentlich positive Nachrichten bringen, zumal sie schon bei den letzten Jugendweltmeisterschaften verletzungsbedingt ihren Mixed Wettbewerb mit Raffael Gries absagen musste.Die Laufflächen waren hier nicht gewachst, sondern sind geölt worden. Entsprechend empfindlich reagierten die Kugel auf jegliche Handfehler. Darüber hinaus war es, ähnlich wie gestern in Campo Bom sehr kalt auf den Bahnen. Heizung auch hier: Fehlanzeige. Entsprechend war die Kleidung der Sportler zwischen ihren Trainingseinheiten eher als un-brasilianisch zu bezeichnen.
Die Trainingseinheit ging bis 13:30 Uhr. Anschließend Mittagessen und Abreise zurück zum Hotel.

Danach stand eine kleine Shoppingtour zur Entspannung auf dem Programm. Eine Schuhfabrik wurde ausgewählt und der Bus mit allen Reisenden beladen. Zur Überraschung der Herren wurden ausschließlich Damenschuhe feil geboten. Zur Enttäuschung der Spieler wurden auch keine Sportschuhe angeboten. So fiel es dem ein oder anderen schwer ein passendes Stück zu finden. Aber sie ließen nichts unversucht.
Letztlich hatten die Verantwortlichen ein Einsehen und chauffierten uns zu einem Lager, das auch Herrenschuhe anbot. Dass die Herren trotzdem nicht so zufrieden waren, lag vermutlich am Ansturm der Damen auf das riesige Handtaschenangebot...

In der technischen Besprechung am Abend wurde uns zugesagt, dass während der Weltmeisterschaften ein Internetzugang in der Halle vorhanden sein wird. Ein morgiger Test wurde ebenfalls in Aussicht gestellt. Wir werden versuchen die Ergebnisübermittlung ebenfalls über die DSKB-Seite laufen zu lassen, ähnlich wie es bereits für die Deutschen Meisterschaften war. Auf der NBS Seite werden die Ergebnis auf jeden Fall eingestellt werden.

 

 

 

 

 

3. Tag (18.07.2010)

Die wichtigste Information zu erst. Alle (bis auf zwei defekte) Klimaanlagen stehen jetzt auf heizen! Ade, den Frostbeulen im Hotel.
Der Samstag stand ganz im Zeichen des ersten offiziellen Trainings. Für die deutschen Spielerinnen und Spieler war die Zeit von 14:00 Uhr bis 16:30 Uhr reserviert. Damit war der Morgen zur „freien Verfügung“. Bis auf die angesetzt Joggingrunde um 7:00 Uhr. Bei leichtem Nieselregen und Temperaturen um 10 Grad trafen sich die komplette U18 zum Entmüdungslauf. Die U23 zog eine Stippvisite im hoteleigenen Fitnessraum vor.
Das Gute vorweg. Es gab keine weiteren Verletzten und die angeschlagenen Melanie Zimmer und Tobias Stolzke wurden geschont.
Um 8:00 Uhr gab es Frühstück und der Vormittag wurde mit einem Einkauf im nahegelegenen Einkaufszentrum oder in der Hotellobby verbracht. Dort konnten in aller Ruhe E-Mails beantwortet werden und mit den Daheimgebliebenen Kontakt aufgenommen werden.

Um 12:30 Uhr wurde es ernst. Unser Bus samt Busfahrer stand vor dem Hotel und das offizielle Training rückte immer näher.
Beim Betreten der Kegelhalle sehnten sich vor allem die mitgereisten Fans ins Hotel zurück. Es war „ziemlich“ kalt auf der Anlage. Einige Betreuer und Fans saßen mit dicken Jacken und Handschuhen bekleidet, hinter ihren Sportlern. Die Jugendlichen in Sportkleidung waren nicht zu beneiden. Vereinzelt erreichten uns in den letzten beiden Tagen E-Mails, dass die Schilderungen der Temperaturen etws übertrieben sei. All jenen ist dieses Bild gewidmet...
Beim Training kehrte dann erstmals Ernüchterung ein. Einige wenige hatten die Bahnen recht schnell verstanden aber die meisten Athleten taten sich schwer von der gewohnten Denkweise „wie werfe ich Neuner“ Abschied zu nehmen. Hier heißt es „wie vermeide ich Stina bzw. offene Bilder“. Vermeintlich einfache Fehler auf Bauern und Stoßbilder machten das Leben ebenfalls schwerer als erhofft. Die Bahnen waren nicht frisch gemacht, was den sensiblen Kugellauf erklärte, allerdings war die Trefferquote der Bauern daher um so Besorgnis erregender. Die Spieler hatten untereinander eine Menge zu diskutieren und die Trainer sahen viel Arbeit auf sich zukommen. Das Training am Sonntag dürfte an Intensität zunehmen.
In der Zwischenzeit steht die Infrastruktur in der Kegelhalle. Wir haben von dort seit heute Zugriff auf das Internet und die Ergebnisübermittlung wird im Laufe des Sonntags organisiert.
Die anderen Nationen taten sich an diesem Tag leichter. War ihnen das Verständnis und das Gefühl für die Bahnen durch ihr Training gestern deutlich anzumerken.
Positiv war zu bemerken, dass sowohl Melanie Zimmer, als auch Tobias Stolzke ihr Training ohne Probleme absolvieren konnten. Zwar waren die ersten Würfe noch gehemmt, aber im Verlauf ihrer Durchgänge spielten sie immer freier auf.
Um ein wenig Abstand zu gewinnen, ging es zum Abendessen in eine Churrasceria. Hier bedient man sich an einem Salatbuffet und das Fleisch wird an langen Spießen zum Tisch gebracht und nach Wunsch portioniert. Insgesamt zählten wir 15 Spieße mit verschiedensten Fleischarten, die man sich schmecken lassen konnte. Danach setzte das Erinnerungsvermögen aus... Um 22:30 Uhr war Schluss und die Meute setzte sich in Richtung Hotel in Bewegung.

 

4. Tag (18.07.2010)

Der Tag der ersten Entscheidungen. Nach dem zweiten offiziellen Training sollte heute festgelegt werden, wer in welchen Disziplinen an den Start gehen wird. Während sich bei der U23 eine Zuordnung bereits nach dem ersten Training abgezeichnet hatte, waren bei den Trainern des U18-Kaders mehr Fragezeichen als zuvor in den Notizbüchern. Zudem musste auch noch berücksichtigt werden, dass bei diesen Weltmeisterschaften jeweils sechs Spielerinnen und Spieler eingeladen worden sind. Die Jahre zuvor hatte man sich auf fünf Keglerinnen und Kegler pro Altersgruppe beschränkt.
Das Ziel der Betreuer war es, jedem mitgereistem Akteur mindestens einen Start in einer Hauptdisziplin (Einzel oder Paarkampf) zu ermöglich. Im Bereich U23 stellte dies kein Problem dar.
Folgende Aufteilung wurde festgelegt:

  • Einzel U23 weiblich: Titelverteidigerin Kristina Krewer und Cathy Bertermann
  • Einzel U23 männlich: Marcel Schneimann und Philipp Unger
  • Paarkampf U23 weiblich: Luisa Wagner / Julia Weiser und Cathy Bertermann / Melanie Zimmer
  • Paarkampf U23 männlich: Daniel Schulz / Christian Junk und Marcel Schneimann / Moritz Valentin
  • Mixed U23: Julia Weiser / Tobias Stolzke und Tanja Bock / Philipp Unger

Im Vergleich zur U23 Besprechung dauerte die Kadersitzung der U18 mehr als doppelt so lange. Am Ende gab es Enttäuschungen und ein oder zwei Tränen mussten getrocknet werden.
Die Zuordnung des U18 Kadermitglieder stellt sich wie folgt dar:

  • Einzel U18 weiblich: Svenja Lambert und Stefanie Markett
  • Einzel U18 männlich: Michael Reith und Robert Heinichen
  • Paarkampf U18 weiblich: Verena Kilp / Stefanie Markett und Jasmine Nöh / Saskia WIntrich
  • Paarkampf U18 männlich: Daniel Hofmann / Dominik Werner und Patrick Hambloch / Mike Reinert
  • Mixed U18: Svenja Lambert / Mike Reinert und Saskia Wintrich / Daniel Hofmann

Um 18:00 Uhr war dann zur offiziellen Eröffnungsfeier eingeladen worden. In einer nahegelegen Sporthalle stimmten die Gastgeber auf die bevorstehenden sechs Tage der U18/U23 Weltmeisterschaften ein. Mit den obligatorischen Reden, der Vorstellung jedes Athleten, den Nationalhymnen der teilnehmenden Nationen und einigen Folklore Darbietungen wurden ein 1,5 stündiges Programm gestaltet.
Anschließend ging die Fahrt wieder in die Kegelhalle, in der gegessen und in die Weltmeisterschaften hinein gefeiert wurde.

 

5. Tag (19.07.2010)

Der erste Wettkampftag erwartete die Sportler. Die Weltmeisterschaften wurden durch die weiblichen und männlichen Paarkämpfe der U18 und U23 eröffnet.
 Im Vorhinein einigten sich die teilnehmenden Nationen, internationale Paar bzw. überschüssige nationale Paare ausser Konkurrenz starten zu lassen. Die Jugendlichen freuten sich über eine zusätzliche Trainingseinheit und die Absagen in den Disziplinen konnten kompensiert werden. Für Deutschland durften sich Tanja Bock, Kristina Krewer, Svenja Lambert, Lisa Neumann, Robert Heinichen, Michael Reith und Tobias Stolzke über die unverhoffte Einlage freuen. Hierbei brachte das U18-Paar Heinichen/Reith das Kunststück fertig, mehr zu spielen als alle anderen Paarungen. Sei es U18 oder U23. Ähnlich gut aufgelegt waren Svenja Lambert und Lisa Neumann, die mit ihrem Endergebnis den U18 Vorlauf gewonnen hätten.

Der reguläre Wettkampf startete mit der männlichen U23. Eigentlich waren neun Paare gemeldet. Durch eine Absage reduzierte sich das Teilnehmerfeld auf acht Teams. Da keine kurzfristige Änderung des Zeitplans durchgeführt wurde ging es nicht direkt ums Finale, sondern nur um die Startreihenfolge im Halbfinale. Alle acht Paare werden dabei sein. Also auch hier nur eine bessere Trainingseinheit. Diese konnte die erste deutsche Paarung gut gebrauchen. Christian Junk und Daniel Schulz (534 Holz) warfen auf sieben Gassen Ergebnisse zwischen 60 und 69 Holz. Wie schwer die Bahnen zu kegeln sind lässt ihr erster Platz im Startblock erahnen. Eine Haaresbreite dahinter kamen die Franzosen Thibaut Gantlet und Pascal Petry (533 Holz) über die Ziellinie.
Zu diesem Zeitpunkt beherrschten die deutschen Fan-Gesänge die Halle. Das änderte sich im zweiten Block, in dem die Gastgeber erstmals ins Geschehen eingriffen. Raffael Rodrigues Berg und Alan Carvlho Ruzik (580 Holz) sicherten sich den ersten Platz. Etwas dahinter Moritz Valentin und Marcel Schneimann (554 Holz). Bei beiden war noch Luft nach oben. Man muss ja schließlich keinen Fehlwurf aufs volle Bild machen...

Ernst wurde es im männlichen Paarkampf der U18. Von sechs startenden Mannschaften konnten sich nur vier für das Finale qualifizieren. Auch diese Disziplin dominierten die Brasilianer. Mit 543 Holz schnappten sich Renan Sanglard und Luiz Cesar Zamma Junior den ersten Rang. Mit einem Holz weniger platzierte sich das zweite brasilianische Duo, Lucas Garcia de Abreu und Guilherme Staub auf Zwei. Nach sehr verhaltener ersten Halbzeit (240 Holz) kamen die Franzosen Pierre Grandgirard / Geoffrey Lebrun noch auf 528 Holz. Gleichbedeutend mit Platz drei und dem Finale. Den letzten verfügbaren Start dürfen Dominik Werner und Daniel Hofmann wahrnehmen. Ihre 522 Holz aus dem ersten Block verwies das zweite deutsche Paar Mike Reinert / Patrick Hambloch auf den undankbaren fünften Platz. Eine 52 Holz Gasse gab im Endeffekt den Ausschlag für die Niederlage der Letztgenannten.

Bei der weiblichen U23 lief es dann wieder besser. Fünf Paare waren am Start und vier durften ins Finale einziehen. Den Tagessieg holte sich erneut Brasilien. Mit 513 Holz warfen Camila Guimaras Botti und Francieli Marques Zamma ein Holz mehr als Melanie Zimmer und Cathy Bertermann. Letztere leisteten sich den Luxus auf ihrer Abschlussgasse mit einem Achter (nicht die umgeworfenen Hölzer, sondern die Anzahl der Würfe fürs Abräumen) anzufangen. Positiv gesagt: Es ist auch in dieser Disziplin noch Luft nach oben. Durch eine Energieleistung auf der vermeintlich schwierigen Bahn 1 zogen Luisa Wagner und Julia Weiser (499 Holz) an Luxemburgs Wendy und Stacy Parracho (478 Holz) vorbei. Die Finalteilnahme war damit für die beiden deutschen Paarungen gebucht. Zittern mussten die Luxemburgerinnen. Als fünftes Paar schickten die sehr starken Gastgeber ihre zweites Team auf die Bahnen. Raissa Patias Silveira und Ingrid Anita Beckert starteten zu nervös. Viele Bauernfehler sorgten für einen 43 Holz Start. Einmal verunsichert fanden sie ihre Kugellauflinie nicht mehr und mussten sich mit 422 Holz dem gesamten ersten Block geschlagen geben.

Ähnlich sah die Konstellation im Paarkampf der weiblichen U18 aus. Fünf Starts und vier Finalplätze waren zu vergeben. Beide deutsche Paarungen waren im ersten Block und starteten bescheiden. Auf 16 Gassen konnte nur von Jasmine Nöh und Saskia Wintrich (461 Holz) einmal 70 Holz erkegelt werden. Genutzt hat es den beiden nichts, denn Verena Kilp und Stephanie Markett (469 Holz) waren im Gesamten etwas konstanter. Gegen Brasilien und Frankreich konnte man in diesem Durchgang nicht ankommen.
Wie bei der weiblichen U23 kam es auf das brasilianische Paar im letzten Block an. Dieses patzte nicht. Im Gegenteil Tais Fabiane Schroeder Evald und Glaucia Weide Einloft legten mit 502 Holz die Bestmarke in ihrer Altersklasse.

Morgen stehen die Mixed und der U18 Sprint auf dem Programm. Für die Ausgeschiedenen heißt es bis dahin die Enttäuschungen zu verarbeiten, Tränchen zu trocknen und erneut angreifen.

6. Tag (20.07.2010)

Die ersten Medaillen sind da! Dabei begann der Tag alles andere als viel versprechend. Es standen die Mixed Disziplinen der U18 und U23 auf dem Programm. In beiden Vorläufen waren jeweils zwei brasilianische Paare vertreten, so dass nur unter optimalen Bedingungen auch noch zwei deutsche Paare im Endlauf starten würden. In beiden Altersklassen waren jeweils sechs Paare am Start, die sich für einen vierer Endlauf qualifizieren wollten. Die Blöcke waren mit jeweils drei Paaren besetzt.

Wie erwartete setzten sich die Brasilianer schnell vom restlichen Feld ab und spulten ihr Programm herunter. Mit 547 Holz waren sie jenseits von Gut und Böse. Spannend wurde es zwischen Julia Weiser / Tobias Stolzke (515 Holz) und Luxemburgs Wendy Parracho / Daniel Neirtz. Die Deutschen starteten Verhalten und fanden drei Bahnen lang keine Lauflinien, die auch gehalten werden konnte. Nach einer kurzen Unterbrechung, weil es Probleme mit dem Ergebniszettel der Luxemburger gab, gelang ihnen eine Aufholjagd und sie setzten sich in der Endabrechnung vermeintlich vor die Konkurrenten. Mit 515 Holz zu 513 Holz schien mindestens eines unsere Paare das Finale erreicht zu haben. Nach nochmaliger Überprüfung der Ergebniszettel stellte sich jedoch heraus, dass den beiden Luxemburgern neun Holz zu wenig angeschrieben worden waren. Damit kamen sie auf 522 Holz und rutschten einen Platz nach oben.
 Im zweiten Block kam es dann noch schlimmer. Tanja Bock und Philipp Unger (506 Holz) fanden gar nicht ins Spiel und liefen der Konkurrenz hinterher. Als dann das zweite Luxemburger Paar Stacy Parracho / Gilles Mores im vorletzten Wurf Doppelbauer/Vorderdame räumte, zogen sie auch an Weiser/Stolzke vorbei und beide deutsche Paarungen waren ausgeschieden.
Eigentlich wollten sie den Tag der Freundschaft, der heute in Brasilien gefeiert wird nicht so wörtlich nehmen.

Den ersten Lichtblick bescherten uns Svenja Lambert und Mike Reinert im ersten Block des U18 Mixed Vorlauf. Sehr konstant spulten sie ihr Pensum ab. Mit einem kleinen Höhepunkt auf Bahn 1 mit 146 Holz kamen sie auf 531 Holz und Platz eins. Selbst die Brasilianer wurden übertrumpften.
Der Überraschungssieger im Vorlauf waren die Franzosen mit Sarah Petry und Geoffrey Lebrun. Fast schon sensationelle 174 Holz auf Bahn 1 sorgten für einen beruhigenden Vorsprung. Die restlichen Bahnen spielten sie auf gleichem Niveau ihrer Konkurrenten und schlossen mit 557 Holz ab. Dem zweite deutsche U18 Paar, Saskia Wintrich / Daniel Hofmann, erging es wie dem zweiten U23 Paar. Immer liefen sie der Konkurrenz hinterher ohne sie jemals gefährden zu können. 478 Holz waren zu wenig, um eine zweite Chance im Finale zu bekommen.

Im Weltsprint der weiblichen U18 sorgte der erste Durchgang des Viertelfinales für richtig Stimmung in der Halle. Zweimal hieß es Brasilien gegen Deutschland. Svenja Lambert und Lisa Neumann bekamen es mit den Hausdamen zu tun. Dass man danach nur noch deutsche Schlachtgesänge hörte, lag an den furiosen Vorstellungen der Beiden. Mit jeweils neun Holz setzten sie sich durch und zogen ins Halbfinale ein. Für Lisa Neumann war der Traum von einer WM-Medaille plötzlich zum Greifen nah. War der Sprint doch ihre einzige Disziplin. Im Halbfinale trafen beide aufeinander und Lisa zog deutlich den Kürzeren. Das Spiel um Platz drei gegen die Französin Line Becker hielt ihre Chancen auf Edelmetall trotzdem offen. Jasmine Nöh war die dritte Sprinterin der deutschen Equipe. Sie spielte gegen Patricia Cunha Bade, ebenfalls eine Brasilianerin. Lange Zeit im Rückstand holte sie auf der zweiten Hälfte auf und zog sogar an ihrer Gegnerin vorbei. Bis eine dicke Fünf vier Würfe vor Schluss diese Aufholjagd zu Nichte machte. Die Halle atmete spürbar auf. In der Verliererrunde holte sich Jasmine Nöh dann den sechsten Platz.
Im Finale traf Svenja Lambert eben auf diese Brasilianerin. Lag sie bei Halbzeit noch gut im Rennen, verlor sie im Endspurt den Faden und musste auf der letzten Bahn eine 10 Holz Rückstand akzeptieren. Damit war ihr Vorsprung mehr als aufgebraucht, aber wir haben unsere erste Medaille! Und die zweite folgte sogleich. Lisa Neumann wollte ihre Medaille, und sie erkegelte sie sich auch. Recht souverän hielt sie Line Becker auf Distanz ohne ihr zu enteilen, aber sie stets zu kontrolliert. Bronze!

Im Sprint der männlichen U18 durften alle Spieler an den Start, mit der Auflage, dass sie in der ersten Runde gegeneinander antreten mussten. Gleiches galt für Brasilien.

Ins Viertelfinale zogen Robert Heinichen, Mike Reinert und Titelverteidiger Michael Reith ein. Für Robert Heinichen und Mike Reinert war hier unerwartet Ende der Veranstaltung. Der Argentinier Christian Fernandez war der Stolperstein für Robert. Mike Reinert biss sich die Zähne am Franzosen Geoffrey Lebrun aus. In der Endwertung belegten sie die Plätze fünf und sechs.
Michael Reith erwies sich als abgebrühter. 17 Würfe lang war er immer nur im Hintertreffen gegen Frankreichs Pierre Grandgirard. Als dieser eine Fünf warf war er zu stelle und zog mit den letzten vier Würfen unwiderstehlich vorbei. Im Halbfinale wartete der Bezwinger von Mike Reinert. Hier spielte er seinen Würfe souverän ins Ziel und zog nach 2008 erneut ins Finale ein. In erwartete der Brasilianer Guilheme Staub. Bis zur Halbzeit konnte Michael Reith mithalten, doch dann zog Guilheme davon. Auf der etwas schwieriger zu spielenden Bahn 3 hatte er im Schlussspurt keine Chance und die Halle feierte das zweite brasilianische Gold. Und wir unser zweites Silber!
Nach der Enttäuschung des Mixed Vorlauf endete der Tag unverhofft erfolgreich. Wir hoffen auf mehr, wenn es auch schwer wird.

 

7. Tag (21.07.2010)

Philipp Unger musste als erster Deutscher auf die Bahnen. Mit konzentriertem Spiel und kaum Fehlern auf die Räumgassen setzte er sich Holz um Holz von den Mitspielern ab. Dahinter wurde es sehr eng. Luxemburg kam auf Platz zwei mit 711 Holz. Vor Frankreich 708 und Argentinien 702 Holz. Philipp konnte sich schon mal mit dem Gedanken anfreunden im Halbfinale erneut antreten zu dürfen.
Der zweite Durchgang bestätigte den Eindruck. Zwischen 710 Holz und 720 Holz wurde es richtig eng. Brasilien war, trotz verstümperter ersten Räumgasse (52 Holz) mit 742 Holz ohne weitere Probleme an der Spitze der Tagesrangliste. Danach buchten Belgien (717 Holz) und Argentinien (714 Holz) das Halbfinale. Für Luxemburgs Gilles Mores bedeuteten die 695 Holz einen Platz auf der Zuschauertribüne während des Halbfinales.
Die Zahlen für den letzten Block waren bekannt. Mit 712 Holz oder mehr war man sicher im Halbfinale. Marcel machte es sich mit zwei Fehlwürfen in die zweite Vollegasse unnötig schwer. Zwar hatte er 343 Holz und die etwas besseren Bahnen kam noch, doch beruhigend ist etwas anderes. Die Fans standen hinter ihm und das war auch nötig. Nach einer längeren Unterbrechung wegen eines technischen Defekts kam er besser ins Spiel. Auf der letzten Räumgasse waren vier Blanke verlangt, um sicher eine Runde weiter zu kommen. Plötzlich spielte er wie ausgewechselt. Sechs Blanke als wäre das alles kein Problem und 728 Holz. Beide Starter stehen somit im Halbfinale und im Gegensatz zu gestern darf der Start in den Tag als geglückt bezeichnet werden.

Leider kam Stephanie Markett im folgenden U18 Einzel nicht so zurecht. Die Vollen waren noch in Ordnung aber im Räumen mangelte es. Mit 662 Holz und Platz drei im ersten Block war an das Finale nicht mehr zu denken. Dabei hätten zwei Holz mehr ihre Ausgangsposition erheblich verbessert. Mit 664 Holz fing Frankreichs Line Becker sie auf den letzten Würfen ab. Allerdings wurden beide Zahlen als zu niedrig eingeschätzt, um den letzten Block ernsthaft in Verlegenheit zu bringen. Mit Svenja Lambert, Sarah Petry (FRA) und der zweiten Brasilianerin war dieser Block (vermeintlich) zu gut besetzt. Die beiden Europäerinnen erfüllten die in sie gesetzten Erwartungen. Sarah Petry zog im letzten Wurf mit 712 Holz an Svenja (711 Holz) vorbei. Dramatisch wurde es um die Brasilianerin. Keine Einstellung in die Vollen und kein Geschick im Räumen ließen sie immer weiter hinter die beiden Führenden zurückfallen. Am Ende sorgte ein Ausrutscher auf Bahn 1 für eine Verletzung und sie blieb auf Platz sechs. Zur Überraschung aller reichten damit die französischen 664 Holz für den Einzug ins Finale.

Ganz stark präsentierte sich Kristina Krewer (698 Holz) im Einzelvorlauf der weiblichen U23 und verwies mit ihrer Leistung Brasilien (693 Holz) auf Platz zwei. Richtig bitter wurde die letzte Gasse für Stacy Parracho. Mit zwei Holz knapp hinter Brasilien warf sie sich einen Doppelbauern an. Fehlwurf auf den zweiten Bauern und der Durchgang war gelaufen. Kristina Krewer als Titelverteidigern war sicher im Finale.
Cathy Bertermann machte es dann wieder spannend und weckte die Zuschauer. Mit 13 Holz Rückstand auf Luxemburg und acht Holz Vorsprung auf Brasilien ging sie auf die letzte Bahn. Mindestens 694 Holz oder eine der beiden direkten Konkurrentinnen halten waren mögliche Wege ins Finale. Cathy machte mit ihrem vorletzten Wurf die wichtige Neun und setzte die Brasilianerin damit gehörig unter Druck. Fünf Würfe zu absolvieren und sie benötigte zwingend zwei Blanke. Die erste Neun fiel im ersten Versuch. Danach 7-2. Der vorletzte Wurf brachte ihr einen zusammengerutschten Kranz und mit einer Sechs im Letzten schob sie sich mit 691 Holz an Cathy (690 Holz) vorbei.

Die männliche U18 machte es in ihrem Einzel Vorlauf nicht ganz so spannend. Zwei Delinquenten wurden gesucht, die für das Halbfinale passen mussten. Bereits im ersten Block zeichnete sich ab, dass diese dort zu finden sein werden. Mit Zahlen zwischen 703 Holz und 673 Holz wurde für die Nachfolgenden keine unüberwindbare Hürde gestellt.

Im zweiten Block brach Robert Heinichen den Bann, der auf dem deutschen Team lag. Mit 740 Holz legt er das beste deutsche Einzelergebnis auf das brasilianische Tropenholz und setzte sich in der Tageswertung an Platz 1. Auf der letzten Gasse nahm er seinem brasilianischen Gegenspieler sechs Blanke ab und sorgte für ein „deutsches“ Haus. Im Hinblick aufs Halbfinale konnte nichts mehr schief gehen.
Im letzten Block sicherte sich Michael Reith (727 Holz) ebenfalls die Halbfinalteilnahme. Überragend in diesem Block erneut ein Brasilianer. Mit 788 Holz, und nicht wie im brasilianischen Übermut verkündeten 808 Holz, spielte er in einer anderen Liga. Überraschend stark auch Frankreich mit 754 Holz.

Im Allgemeinen konnte man feststellen das vor allem die Franzosen und Luxemburger erheblich weniger Anpassungsschwierigkeiten an die Bahnverhältnisse haben als die deutschen Nationalspieler. Insbesondere die Räumbilder werden sicherer gelöst und unnötige Fehler vermieden. Bei den Bauernwürfen haben wir dann wieder leichte Vorteile.

8. Tag (22.07.2010)

Der Zwischenlauf der männlichen U23 im Paarkampf sah unerwartet hohe Ergebnisse. Der erste Block wurde natürlich wieder von Brasilien (584) beherrscht, die in der Endabrechnung auch den ersten Platz belegen sollten. Viel überraschender war die Vorstellung der Belgier (569). Erst auf den letzten Würfen mussten sie sich den Südamerikaner geschlagen geben.
Der zweite Block stand vor einer Herausforderung. Betroffen davon die beiden deutschen Paare Junk / Schulz und Schneimann / Valentin. Letztere entledigten sich dieser Aufgabe frühzeitig durch eine 307 Holz Halbzeit und kontrollierten das Feld fortan von vorne. Mit 579 Holz konnten sie zufrieden sein. Christian Junk und Daniel Schulz (535 Holz) waren dem Druck noch nicht gewachsen. Sie befanden sich mit dem französischen Paar Pascal Petry / Thibaut Gantlet (555 Holz) in guter Gesellschaft. Im Finale werden wir entsprechend zweimal Brasilien, Belgien und Deutschland wieder treffen.

Die erste Medaillenentscheidung des Tages stand im weiblichen U23 Paarkampf. Mit Brasilien und den Parracho Schwestern stand harte Konkurrenz für Cathy Berthermann / Melanie Zimmer und Luisa Wagner / Julia Weiser auf den Bahnen. Die gute Nachricht war: Eine Medaille ist sicher! Aber es sollte ganz anders kommen. Cathy und Melanie hatten einen sehr guten Start und trafen die schwierige Bahn 2, so dass sie sofort in Führung lagen. Julia und Luisa taten es ihnen gleich.



Plötzlich führten beide deutsche Paare und die brasilianischen Gesänge wurden sehr, sehr leise. Machte aber nichts, denn die Deutschen kompensierten die Stimmung mehr als gleichwertig. Brasilien zeigte Nerven. Es lief nichts zusammen. Platz drei hatten die Parracho Schwestern aus Luxemburg inne. Vor der letzten Bahn waren Cathy und Melanie mit 30 Holz enteilt. Spannend wurde es noch um die Silbermedaille. Julia/Luisa und Luxemburg trennten nur 14 Holz. Als das deutsche Team mit zweimal Bauer/Hinterholz anstartete und dabei auch noch einen Bauern ausließ war Silber verloren, aber Bronze gewonnen. Brasilien ging bei der Medaillenvergabe zum ersten Mal leer aus. Allen Unkenrufen zum Trotz, feierten die Europäer ihre erste Goldmedaille. Mehr noch, die Fans aus Luxemburg, Belgien und Deutschland feuerten sich erstmals zusammen an.

Tollen Sport wurde von Verena Kilp und Stephanie Markett im Paarkampf der weiblichen U18 geboten. Nach dem die französische Paarung Line Becker / Sarah Petry verletzungsbedingt aufgeben mussten, war eine Medaille sicher. Sie nutzten die Chance auf den etwas fallfreudigeren Bahnen anfangen zu dürfen und setzten die beiden brasilianischen Paare unter Druck. Bis zur Halbzeit lagen sie vor, dann kamen zwei sehr dicke Anwürfe und zumindest ein Brasilianische Paar konnte sich das zu Nutze machen. Vor der letzten Bahn lag das deutsche Team fünf Holz hinter den Gastgeberinnen zurück und verpatzte leider die folgende Räumgasse mit 52 Holz. Da war der Zug abgefahren. Das zweite Paar der Hausherren zeigte Nerven und lag zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlagen auf Rang drei.
 Eine schöne Abschlussgasse belohnte die kämpferische Topleistung mit der dritten Silbermedaille. Vielleicht hätte es mehr werden können, aber nach dem Eindrücken des Vorlaufs und der Trainingseinheit waren die Fans hoch zufrieden mit der gebotenen Leistung.

Der Sprint der weiblichen U23 sah in der ersten Runde zwei brasilianisch-deutsche Aufeinandertreffen vor. Zuerst musste Melanie Zimmer sich behaupten. Trotz zwei dicker Fünfer in den letzten beiden Würfen ging sie als Siegerin von den Bahnen. Was ihr in diesem Moment an Form fehlte machten die Fans mehr als wett. So lautstark wurde noch keine Nicht-Brasilianerin in der Halle angefeuert. Ihre Kontrahentin warf im letzten Wurf ebenfalls eine Fünf und so waren zwei Holz Vorsprung ins Ziel gerettet.

Kristina Krewer unterlag in ihrem brasilianischen Duell und musste in die Verliererrunde. Fünf sehr dicke Siebener (Bauer-Vorderdame) waren zuviel um ihren Rückstand auf den letzten zehn Würfen aufzuholen. Ebenso erging es Luisa Wagner gegen Luxemburgs Stacy Parracho. Bereits im Viertelfinale war Endstation.
Die Hoffnungen ruhten jetzt auf Melanie. Im Halbfinale gab es keine Halten. Stacy Parracho wurde ins Spiel um Platz drei geschickt und sie ging schnurstracks ins Finale. Dort wartete die nächste Brasilianerin. Kristina hatte mit ihr in der ersten Runde bereits Bekanntschaft gemacht. Was dann im Finale passierte war unbeschreiblich. Es ist sicherlich nicht oft passiert, dass eine brasilianische Nationalmannschaft aus dem eigenen Halle gebrüllt wurde. Heute war einer dieser Tage. 50 Schlachtenbummler ließen den Clube 15 de Novembro zur Südkurve werden. Angeblich waren die brasilianischen Anfeuerungsrufe da, allerdings wurden sie 20 Würfe lang von Deutschland! Deutschland! Rufe übertönt.
Mit einer Neun und einer Sechs legte Melanie uneinholbar vor. Der Rest war Jubel auf der einen Seite und Enttäuschung auf der Anderen.
Im Sprint der männlichen U23 lief es dann nicht mehr so erfolgreich. Erneut standen einige Brasilien-Deutschland Duelle an. Das erste konnte Tobias Stolzke noch für sich entscheiden. Aber im Viertelfinale war der Gastgeber zu stark. Christian Junk und Daniel Schulz trafen bereits in der ersten Runde aufeinander. Für Daniel hieß es Verliererrunde. Das gleiche Schicksal ereilte Moritz Valentin, der völlig indisponiert sein Erstrundenmatch gegen Thibauth Gantlet verlor.
Im Viertelfinale war der Argentinier für Christian keine große Hürde. Jedoch im Halbfinale kam es erneut zur Begegnung zwischen Deutschland und Brasilien. Eine Drei zu Beginn bedeutete das Aus. Der späterer Weltmeister gab ihm keine Chance den Fehler zu korrigieren. Im Spiel um Platz drei war dann die Luft raus. Der Belgier Damien Backes sicherte sich mit zwei Holz Vorsprung den Bronzerang.

In den Sprintdisziplinen bleibt festzuhalten, das es nur deutschen Keglerinnen und Keglern gelang die Gastgeber zu besiegen. Allen anderen Nationen war dies nicht vergönnt.

50 glückliche, deutsche Schlachtenbummler, die eine brasilianische Kegelhalle kurzzeitig in ein deutsches Fussballstadion verwandelt haben liegen jetzt, wenn diese Zeilen in Deutschland gelesen werden, friedlich schlummernd (vielleicht mit einem Grinsen im Gesicht) in ihren Betten und freuen sich auf morgen...

 

9. Tag (23.07.2010)

Der Einzel Zwischenlauf der männlichen U18 kam wohl für alle beteiligten zu früh. Der erste Block war geprägt von vielen leichten Fehlern und noch mehr dicken Anwürfen. Bezeichnend war das Michael Reith trotz einer 162 Startbahn den Block für sich entscheiden konnte. 687 Holz waren nicht die Welt und es musste immer noch ein Starter der folgenden Vier unter im bleiben. Die deutsche Mannschaft atmete dennoch auf. Da Robert Heinichen im zweiten Block kegelte war ein Starter auf jeden Fall im Finale vertreten. Robert (704 Holz) startete sehr stark und spielte in den ersten 60 Würfen die Brasilianer förmlich an die Wand. Unerklärlicherweise riss der Faden auf der zweiten Hälfte. Viele Flüchtigkeitsfehler schlichen sich ein. Die Mitspieler holten auf und zogen nach einem Vierer auch noch vorbei. An der Qualifikation für das Finale ändert sich nichts mehr und Luft nach oben ist noch da.
Für Michael Reith wurde es zur Zitterpartie. Erst als der zweite Brasilianer auf der letzten Gasse 72 Holz Räumen musste und mit einem Dreier im zweiten Anwurf begann, kehrte langsam etwas Farbe in sein Gesicht zurück. Brasilien konnte den Fehl nicht mehr korrigieren und damit heißt es auch für Michael Reith: Willkommen im Finale!

Philipp Unger präsentierte sich im ersten Durchgang des U23 Einzel Zwischenlaufs sehr stark. 754 Holz waren das beste Einzelergebnis eines deutschen Spielers bis dato. Und endlich waren die männlichen U23 Starter besser als die U18. Wir mussten lange darauf warten. Ein Wehmutstropfen war der Belgier. Gespielt wie aus einem Guss kam er auf 775 Holz. Im gesamten Spielverlauf eindeutig überlegen und immer mit ein paar Holz mehr pro Gasse, war der erste Platz vollauf gerechtfertigt. Egal es herrschte verhaltener Optimismus. Diese Hürde musste von drei Spieler im nächsten Durchgang genommen werden. Dazu zählte auch Marcel Schneimann, Pascal Petry und zwei Brasilianer. Als erster scheiterte Marcel. Mit 353 Holz nach 60 Würfen war das Weiterkommen utopisch. Wenn es dann nicht läuft, fehlte es auch am entsprechenden Fallglück.
 Philipp musste im wahrste Sinne des Wortes bis zur letzten Kugel zittern. Ein Brasilianer und Pascal Petry waren relativ sicher weiter. Der zweite Gastgeber wackelte. 72 Holz mussten geräumt werden auf der letzten Gasse. Eine dicke Sieben und eine dünne Sechs, bei der die Dame abgespielt wurde machten drei Blanke notwendig. Die Erste fiel im achten, die Zweite im elften Wurf. Für die Letzte nahm er sich bis zum Vorletzten Wurf Zeit und verbaute Philipp den Weg ins Finale.

Wie Marcel Schneimann aufgehört hatte, so begann Kristina Krewer. Die Volle war in Ordnung und sie lag vorne. Das Räumen jedoch... Der erste Anwurf ging durch die Mitte und sie benötigte weitere fünf Würfe für die fünf verbleibenden Kegel. Eine Neun und nochmal ein Schuss durch die Mitte. 42 Holz warfen sie weit vom Podium zurück. Danach kam das Kämpferherz durch. Bahn für Bahn, Holz um Holz holte sie auf. Auf der letzten Gasse eine Energieleistung und sie holte das nicht mehr für möglich gehaltene Edelmetall in Form einer Bronzemedaille mit 683 Holz. Mit einer ordentlichen ersten Räumgasse wäre sogar die Titelverteidigung drin gewesen. Wendy Parracho lag auf Silber mit fünf Holz vor ihr und das brasilianische Gold war auch nur 14 Holz entfernt. Egal, wir haben eine tolle Aufholjagd mit Herz gesehen und Bronze geholt!

Im Mixed der U18 traten Svenja Lambert und Mike Reinert an. Für das Finale waren ebenfalls zwei brasilianische Paare und die Franzosen Sarah Petry / Geoffrey Lebrun qualifiziert. Die deutsche Paarung spielte annähernd fehlerfrei. Eine Gasse wurde mit zwei Fehl beendet. Der Rest wurde mit Schnitt gespielt. Im Vergleich zu den Konkurrenten gab es keine Gasse, die beide trafen. Während Brasilien und Frankreich mindestens eine Gasse mit über 80 Holz spielten fanden Svenja und Mike keinen Lauf. Am Ende fehlten eben diese paar Hölzer, um noch weiter nach Vorne zu kommen. Ihre 549 Holz waren absolut im Rahmen, Frankreich (568 Holz) und Brasilien (580 Holz) waren an diesem die etwas besseren und glücklicheren.

Im U18 Einzel durfte Svenja Lambert (684 Holz) erneut ran. Bronze war bereits sicher, da Line Becker verletzungsbedingt auf ihren Start verzichten musste. Die (vermutliche) Zerrung vom Vortag ließ keinen weiteren Start zu. In der Hoffnung auf etwas mehr Fallfreude der Kegler versammelten sich wieder alle Schlachtenbummler hinter der Deutschen. Im Vergleich zum Mixed sollte sich nicht viel ändern. Die Sieben war kein Problem, aber ging sie etwas mehr auf Angriff wurde es sofort bestraft. Ihren Rückstand auf die Brasilianerin handelte sie sich ausschließlich auf die Vollen ein. In die Räumgassen machte sie durch die Bank Holz gut.
Die Spannung bezog dieses Finale nicht aus den hohen Zahlen, sondern aus der Ausgeglichenheit von Sarah Petry und der Brasilianerin. Etwas fragwürdig, dass die letzten 30 Würfe über 20 Minuten dauerten. Mit einer offiziellen Unterbrechung zum Kugelholen. Den Rest der Zeit belauerten sich beide Konkurrentinnen. Entschieden wurde das Finale standesgemäß mit dem letzten Wurf. Brasilien (696 Holz) legte mit einer Fünf durch die Mitte vor. Sarah Petry lag zwei Holz dahinter. Sieben zum Gleichstand und eine Acht zum Weltmeistertitel im ersten Jahr ihrer U18-Zugehörigkeit. Es wurde eine Sechs mit Hinterholz und die Brasilianer stürmten die Bahnen...
Svenja Lambert gewinnt ihre dritte Medaille bei diesen Weltmeisterschaften und ist damit die erfolgreichste deutsche Teilnehmerin.

 

10. und letzter Tag (24.07.2010)

Die erste Entscheidung des Tages stand im U18 Paarkampf der männliche Jugend an. Erneut waren zwei brasilianische Paare vertreten. Zusammen mit den starken Franzosen standen auch Daniel Hofmann und Dominik Werner auf den Bahnen. Als vierte für das Finale qualifizierte wollte sie sich gerne um einen Platz verbessern. Leider machte ihnen bereits die erste Räumgasse einen Strich durch die Rechnung. Mit 60 Holz lagen sie mindestens zehn Holz hinter den anderen Mannschaften zurück. Eine Aufholjagd ist auf der Anlage von Campo Bom selten mit Erfolg gekrönt. So sehr sich die zwei auch mühten, das Risiko das sie eingehen mussten wurde immer wieder betraft. Als Endplatzierung blieben sie mit 478  Holz auf Rang vier. Weltmeister wurde erneut Brasilien mit der tollen 609 Holz. Mehr sollte auf dieser Anlage im Paarkampf nicht mehr gespielt werden. Ebenfalls sehr stark die Franzosen mit 580 Holz. Brasiliens Bronzepaar war im Niemandsland mit 535 Holz.

Es ging weiter mit dem Paarkampf der männlichen U23. Auch hier waren zwei brasilianische Teams mit von der Partie. Die starken Belgier aus dem Zwischenlauf und Moritz Valentin / Marcel Schneimann vervollständigten den Block.
Lange Zeit hielten sie mit den anderen Paaren mit. Relative häufig wechselten die Positionen. Nach drei Bahnen konnte sich das ersten brasilianische Paar etwas absetzten zumindest genug, um mit 570 Holz den Weltmeistertitel zu gewinnen. Um die restlichen Positionen wurde es spannend. Leider schienen die deutschen Spieler heute einen gebrauchten Tag angedreht bekommen zu haben. Mit einer 52 Holz Abschlussgasse versemmelten sie das sicher geglaubte Bronze und mussten mit 548 Holz zu 550 Holz den Belgiern den Vortritt lassen. Den ersten brasilianischen Doppelsieg machte die zweite Paarung mit 562 Holz perfekt.

Das Einzelfinale der U18 bestritten Robert Heinichen und Michael Reith für Deutschland. Zusammen mit Frankreich sollte versucht werden den Titel zumindest nach Europa zu holen. Mit Guilherme Straub war auch der überragende U18 Spieler der Brasilianer qualifiziert. Michael Reith fand gar nicht zu seinem Spiel. Je weiter er ins Hintertreffen geriet desto mehr versuchte er die notwendigen Neuner zu spielen. Zu viel Risiko wurde hier auch bestraft und 677 Holz waren das Endergebnis. Die Selbstvorwürfe, wenn er es nicht probiert hätte wären am Ende sicher größer gewesen. Robert Heinichen (706 Holz) spielte über die gesamte Distanz sehr konstant und auf hohem Niveau. Wenn er zum Schluss nicht noch einen Dreier eingebaut hätte, wäre auch Silber möglich gewesen So freute sich Frankreich mit 713 Holz nach einer fantastischen Schlussbahn über den zweiten Platz. Brasilien war auch hier nicht vom Thron zu stoßen. Absetzten konnte er sich erst auf der letzten Räumgasse. Über das gesamte Turnier betrachtet war er der stärkste Spieler.

Die Brasilianer krönten diese Weltmeisterschaften mit einem Doppelerfolg im männlichen U23 Einzel. Mit 809 Holz blieb der Titel im eigenen Land und auch Silber konnte sich mit 771 Holz mehr als sehen lassen. Erst dann konnte sich Pascal Petry mit 736 Holz platzieren.

Ein kurzes Fazit

Einige Auffälligkeiten trübten die ersten Weltmeisterschaften auf brasilianischem Boden. Die brasilianischen Anfeuerungen schienen sehr persönlich zu sein. Die meisten verstanden kein Portugiesisch, die Wenigen, die es verstanden waren nach Abschluss ihres Wettkampf einige Male den Tränen nahe.
Die Ergebnistransparenz war verbesserungswürdig. Man konnte nur die aktuelle Gasse auf den Bahnen verfolgen. Die Gesamtergebnisse wurden über einen separaten Computer addiert. Es passierte häufiger, dass eine Kugel aus dem Kugelfang zurück auf die Bahn prallte, die Lichtschranke unterbrach und einen weiteren Wurf zählte. Zumeist wurde bei brasilianischen Spielern, während einer Gasse die Anzeige dann auf Null gesetzt. Eine Nachverfolgung der verbleibenden Würfe und Ergebnisse war den Spielern und Trainern dann kaum noch möglich.

Wirklich schade war, dass am letzten Tag ein Schreiber beobachtet wurde, wie er einen Fehlwurf der Gastgeber nicht notierte und die Wurfanzahl nach unten korrigierte.
Dies soll das Gesamtbild nicht schmälern. Eine einmalige U18/U23 Weltmeisterschaft ist mit einer stimmungsvollen Abschlussfeier zu Ende gegangen. Viel Samba, viel Trikottausch hielt die Sportler bis 3:00 Uhr morgens auf den Beinen.
Die deutschen Spieler zeigten sich als faire Sportler, die den Weg nach Südamerika nicht scheuen mussten. Es wurden zwei Titel errungen, die einzige die nach Europa gehen, und viele weitere Medaillen mit nach Hause gebracht. Alle Sportlerinnen und Sportler werden diese Meisterschaften sicherlich lange in Erinnerung behalten.